René Wynands - Riddim Magazine 06/08
Jesse King! Ein Supername. Keine Ahnung, warum sich Mr. King ausgerechnet Dubmatix nennen musste. Vielleicht sollte das „Dub“ unbedingt in den Namen, denn Dub ist zweifelsohne das Kerngeschäft des Meisters aus Toronto. Als Sohn eines Jazz- und Funk-Produzenten, erlebte Jesse seine musikalische Erweckung in den frühen 1980er Jahren, als ihm ein Exil-Jamaikaner die Platte „King Tubby Meets Rockers Uptown“ in die Hand drückte. Von diesem Moment an bewegte sich Jesse Kings Leben zielstrebig auf das Jahr 2004 zu, als er sein erstes Dub-Album „Champion Sound Clash“ veröffentlichte. Danach folgte noch „Atomic Subsonic“ und nun, schließlich, „Renegade Rocker“. Alle drei Alben zeichnen sich durch sehr kraftvolle, hochdynamische Beats aus. Hier stimmt das Timing, die Offbeats sitzen perfekt und der One-Drop lässt das Zwerchfell erbeben. Herr Dubmatix weiß, wie man fette Beats zusammenschraubt. „Renegade Rocker“ ist nun die Krönung dieser Kunst. Laut gehört, bläst einen das Album schlicht um. When music hits you, you feel no pain – zum Glück! Viele andere Dubber hätten aus den 16 Tracks fünf Alben gebastelt, Dubmatix packt das Material auf einen Longplayer – und begnügt sich noch nicht einmal mit den Dubs allein, sondern packt auf zwei Drittel der Tunes auch noch Gast-Vokalisten der ersten Garde drauf! Linval Thompson, Ranking Joe, Michael Rose, Sugar Minott, Willy William, Alton Ellis, Pinchers und Wayne Smith geben sich hier die Studioklinke in die Hand. Heraus gekommen ist ein Album, das wirklich rockt – reggaewise!
Dubmatix ist ein dubinfiziertes Mastermind mit Sitz in Kanada. Seine Alben „Champion Sound Clash“ (2005) und „Atomic Subsonic“ (2006) haben weltweit für Aufhorchen gesorgt und die Rootsdub- sowie Steppers-Szene mächtig aufgemischt. Auch im Internet hat er mit spektakulären Remixen für offene Ohren gesorgt. Dubmatix hat mit namhaften Künstlern, wie Raffa, Anthony B, Freddie McGregor u.a. zusammengearbeitet. Dabei bespielt er so ziemlich alle Facetten des Reggae und Dub mit einer unglaublichen Souveränität und zeigt sich zugleich sehr experimentierfreudig. Das neue Album "Renegade Rocker“ steht in den Startlöchern und wird ihm neue Fans bescheren.
Dubmatix
"Renegade Rocker"
(7 Arts Entertainment - 2008)
Es gibt wohl für fast jeden Musiknerd ein bestimmtes Album, dass eine Initialzündung verursacht hat. Für Jesse King aka Dubmatix war es das Album "King Tubby Meets Rockers Uptown", welches ihm in jungen Jahren von Everton "Pablo" Paul, einer kanadischen Reggae-Institution und zugleich Bandmitglied in der Band von Jesse's Vater, gegeben wurde. Kein schlechter Beginn. Und so verwundert es auch nicht, dass Dubmatix auf seinem neuen Album "Renegade Rocker" nicht selten Sounds verwendet, die an den Großmeister Tubby gemahnen. Dennoch zeigt sich Dubmatix nicht alleine im Retro-Gewand, was nach den beiden Vorgängern "Champion Sound Clash und "Atomic Subsonic" zu erwarten war. Dennoch vollzieht sich zwischen dem ersten und dem jetzt vorliegenden Album eine Entwicklung vermehrt hin zu Modern-Rootsdub, der - verglichen vor allem mit Album # 1 - weniger technoid daherkommt. Ganz passend eröffnet Linval Thompson als Veteranartist den Reigen. Überhaupt können sich die Gastauftritte sehen lassen. Neben Linval Thompson treten Michael Rose, Ranking Joe, Wayne Smith, Pinchers, der Altmeister Alton Ellis, Sugar Minott, Willi Williams, Ammoye, Henrii & Kulcha Ites, Raffa und Rasta Reuben Kwabena vor das Mikro. Vielfältig ist entsprechend auch das Resultat. Dabei hat Jesse jedem Künstler ein passendes Gewand auf den Leib geschneidert, mal mehr modern, mal eher vintage. Musikalisch zeigt sich der Kanadier eh sehr versiert, spielt er nebem dem Mixen und Produzieren am Computer auch noch Schlagzeug, Bass, Gitarre, Perkussion und Melodika zumeist selbst ein. Zusätzlich kommen befreundete Musiker ins Studio, die etwa die markanten Bläsersätze einspielen, die für die Musik von Dubmatix typisch sind. Kommen wir konkret zurück zu einzelnen Tracks des Albums. Michael Rose, der aktuell ja eh auf allen Gebieten eine enorm starke Phase hat, steuert mit "Easy Down" einen smoothen Sommerhit bei. Alton Ellis wandert mit seinem "Blessing Of Compassion" auf eher älteren Pfaden und zeigt eindringlich, dass Alter seiner Stimme nicht geschadet hat. Hervorragend sind auch wieder die beiden Beiträge von Ranking Joe ("Tornado" & "Give Thanks & Praises"), dessen Stimme und Style zur Musik von Dubmatix klasse passt. Einen weiteren Hammer steuert Raffa aus Toronto mit "Dub In Me Hand" zusammen mit Rasta Reuben Kwabena bei. Auch Ammoye, ebenfalls aus Toronto, legt als einzige Frau auf "Push", dem einzigen Track der in Richtung Drum & Bass unterwegs ist und die Clubs zum Brennen bringen wird, mächtig los. Zugleich liefert sie die Backgroundvocals für diverse andere Tunes des Albums ab. Den Rest der Tracks möge man sich nun bitte selbst anhören.... all killers, no fillers!
Karsten Frehe - IrieItes.de
www.dubmatix.com